Bericht Italien 24.09.2017 - 29.09.2017

Los ging es am vorigen Samstag nach dem Auswärtsspiel in Paderborn vom Flughafen Köln/Bonn in Richtung Mailand/Bergamo.
Die Airline des Vertrauens, Ryanair, überraschte uns Samstagfrüh sogleich mit einer Abflugsverspätung von über zwei Stunden, so dass es immer knapper wurde, das anvisierte Spiel der Serie B zwischen Brescia und Foggia zu erreichen. Da die Autovermietung in Bergamo ebenfalls eine halbe Ewigkeit brauchte, uns unser Auto bereitzustellen, fiel das Spiel wirklich für uns flach. Eine Alternative war dennoch schnell gefunden: Denn erst um 20:45 Uhr sollte das Turin-Derby zwischen Juve und dem FC Turin angepfiffen werden. Turin erreichten wir auch relativ frühzeitig, so dass wir fast 4 Stunden Zeit hatten und uns auf die Kartensuche begaben. Leider war kein wirklich freier Verkauf vorhanden, und die Wucherpreise in den Tabakläden von 100 Euro wollten wir dann im Endeffekt auch nicht zahlen. Also gab es am Samstag kein Spiel für uns. Für den Sonntag war geplant von Brescia nach Verona zu fahren und das Spiel gegen Lazio zu besuchen. Da wir nun aber in die andere Richtung unterwegs waren, mussten auch für Sonntag Alternativen erhalten. Geeignet wurde sich letztendlich auf Sampdoria Genua vs. AC Mailand, so dass wir uns abends noch auf den Weg von Turin nach Genua machten.

Nach einer Nacht im Hostel ca. 20 Kilometer entfernt von Genua, machten wir uns am Sonntagvormittag auf den Weg in Richtung Stadion. Hier konnten problemlos Karten an der Tageskasse erworben werden - 40 Euro, Hintertor.

Sampdoria Genau vs. AC Mailand 2:0 (0:0)
24.09.2017, 12:45 Uhr
Zuschauer: 21.896 (ca. 1.500 Gäste)

Anpfiff hier schon zur Mittagszeit. Aber bei sehr warmen 28 Grad. Endlich doch noch Sommerfeeling.
Schönes reines Fußballstadion, dass mit 4 Türmen in den jeweiligen Ecken einiges hermacht. Genua spielerisch dem AC Mailand relativ deutlich überlegen, jedoch konnte dies auch erst in der zweiten Halbzeit in Tore umgewandelt werden. Letztendlich ein ungefährdeter Sieg der Heimmannschaft.
Stimmung vor allem am Anfang auf der Heimseite sehr gut, danach aber eher eine geringe Mitmachquote und die HIntertortribüne, bestehend aus zwei Rängen, rief nur selten ihr ganzes Pontential ab. Außer nach den beiden Toren. Die Gäste mit nem guten Anhang vor Ort, die ihr Programm auch über die vollen 90 Minuten durchzogen.

Nach dem Spiel ging es für uns relativ zügig wieder zum Auto, da es wieder zurück gen Norden gehen sollte und noch ein Drittliga-Kick auf dem Programm stand.

AC Renate vs. Reggiana Calcio 1:0 (1:0)
24.09.2017, 18:00 Uhr
Zuschauer: 600 (310 Gäste)

Das Spiel fand im erweiterten Speckgürtel von Mailand statt. Die Stadt Renate und Spielort liegen rund 20 km auseinander. Als wir auf den Stadionparkplatz fuhren, waren auch schon ein paar Gästefans auszumachen. Also Tickets gekauft (15 Euro) und rein ins kleine Rund.
Stadion besteht aus drei Tribünenteilen, die sich allesamt auf einer der Längsseiten befanden: Gästeblock, Hauptribüne und noch eine kleine Tribüne, alles überdacht.
Als ehemaliger Erstligist verfügt Reggiana auch über eine gewisse Tradition, während der AC Renate eher ein Vorortclub ist und nur wenig Zuschauer anzieht und es wohl eher ums "Gesehenwerden" geht. Denn von den Heim"fans" hatte nicht eine einzige Person einen Fanschal. Ganz kurios das alles. Der Spordirektor quatschte uns schon am Eingang an und auch zwischendurch immer mal wieder, Freibier gab es aber leider nicht.
Der AC Renate ging in der ersten Halbzeit in Führung, obwohl Reggiana eigentlich mehr Spielanteile hatte. Konnte dies aber nicht in Tore umsetzen - kommt einem ja irgendwie bekannt vor. Das Bild änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht.
Der Gästeblock sehr gut aufgelegt, mit 300 Mann vor Ort und damit rund 50% der Gesamtzuschaur. Am Zaun hing einiges an Material und auch ein paar Schwenker wehten durch den Abendhimmel. Leider war uns kein Torjubel der Gäste vergönnt. Glaube, der Block hätte noch einmal 10% lauter werden können. Nichtsdestotrotz war es ein top Auftritt für dritte Liga und Sonntagabend. Stimmung von Heimseite 0!

Im Anschluss ging es wieder nach Bergamo, wo auch genächtigt wurde. Montag traten zwei der vier Reisenden den Heimflug an, während es die anderen beiden weiter nach Neapel zog/flog.
Ryanairflug dieses mal pünktlich, jedoch mussten wir schon im Vorfeld den Flug aufgrund einer Absage umbuchen. Egal, denn so waren wir für den gleichen Preis schon zwei Stunden eher in der Camorra-Stadt.
Also machten wir uns Montagnachmittag auf die Suche nach Tickets für das Champions League Spiel gegen Feyernoord Rotterdam am Dienstag. Dies war nicht ganz so einfach, es gab keinen freien Verkauf, da die Holländer keine Karten bekommen sollten. Die Stadt Neapel verweigerte dies, da ein paar Feyernoord-wütige vor ein paar Jahren bei einem Europacupspiel in Rom randalierten, und sie befürchteten dies auch in Neapel zu tun.
Der Hotelchef gab uns ein paar Adressen, wo Tickets verkauft wurden. Beim ersten Lotto-Laden wurden wir auch fündig und nach dem wir beweisen konnten, dass wir keine Holländer waren und er per Telefon irgendwas klar machte, legten wir pro Karte 40 Euro auf den Tisch und sollte in ein paar Stunden wieder kommen und die Tickets abholen. Gesagt getan. Um 19 Uhr hatten wir tatsächlich unsere personalisierten Tickets in den Händen. Abends gabs dann ne Runde Pizza und nen Spaziergang durch die Stadt. Hier war einiges an einheimischen Fußballklientel unterwegs und man wurde des öfteren auch schief angeguckt. Im Endeffekt blieb es aber ruhig. Ein paar Holländer befanden sich trotz der Kartenproblematik in der Stadt und es gab wohl am Montag auch drei Festnahmen.

SSC Neapel vs. Feyernoord Rotterdam 3:0 (1:0)
26.09.2017, 20:45 Uhr
Zuschauer: 22.577 (0 Gäste)

Am Spieltag selbst ging es per S-Bahn zum Stadion. Am Einlass die übliche Personalausweiskontrolle in Italien und nach dem die Oberordnerin das OK gab, dass deutsche Fans heute erlaubt seien, konnte das Stadion geentert werden.
Dieses macht einiges her, sehr schönes ovales Stadion mit Laufbahn. Napoli verfügt über zwei Fankurven. In der einen stehen die Ultras Napoli und in der anderen ist die Curva A Napoli beheimatet. Wir ließen uns am äußeren Rand der ersteren nieder. Vor dem Spiel gute Musikauswahl und kein dummes Gequatsche des Stadionsprechers. Gästeblock wie erwartet leider leer.
Ultras Napoli am Anfang gut aufgelegt und konnte eine gute Mitmachquote verzeichnen. Die Mannschaft spielte ebenfalls gut und konnte früh in Führung gehen. Im Anschluss verflachten Spiel und Stimmung aber beiderseits. In der zweiten Halbzeit ging es zunächst so weiter. Auch nach dem Ausbau der Führung war die Stimmung zwar OK, konnte aber nie so wirklich richtig überzeugen und alle Leute zum Mitmachen bringen. Die gegenüberliegende Curva A war ebenfalls nur selten zu vernehmen, jedoch ständig in Bewegung. Außerdem ging nach den Toren auch mal die ein oder andere Fackel an. Der Napolisieg war nie gefährdet und auch nach dem Ehrentreffer für Feyernoord waren keine Gästeanhänger auszumachen.

Nach dem der Mittwoch noch einmal im Zeichen des Sighseeings von Neapel stand, ging es Donnerstag zurück nach Bergamo per Flugzeug. Im Anschlus per Bus nach Mailand, wo das letzte Spiel der Tour anstand.

AC Mailand – HNK Rijeka 3:2 (1:0)
28.09.2017, 21:05 Uhr
Zuschauer: ca. 22.500 (ca. 4.000 Gäste)

Die Kroaten aus Rijeka hatten sich mit 4.000 Fans angekündigt, so dass dieses Spiel gästetechnisch das Highlight der Tour werden sollte. Nachmittags sammelte sich eine mittlere dreistellige Anzahl dieser am Mailänder Dom ein und es konnten erste Gesänge vernommen werden. Das ein oder andere pyrotechnische Erzeugnis wurde ebenfalls schon abgebrannt.
Karten konnten wir problemlos am Stadion erwerben – 40 Euro für die Gegengrade. Im Stadion, war dann der ganze kroatische Mob im obersten Rang untergebracht und konnte schon vor dem Spiel mit einigem Singsang überzeugen.
Im Spiel hatte Rijeka zunächst die besseren Möglichkeiten, jedoch gelang Milan etwas unverdient der frühe Führungstreffer. Stimmung auf Gästeseite trotzdessen weiterhin sehr gut – rund 90% Mitmachquote sicherlich vorhanden. Auf Heimseite allerdings das komplette Gegenteil. Konnte die Curva Sud am Sonntag in Genua noch überzeugen, fanden sich dieses mal keine 1.000 Supportwilligen im mittleren Rang der anderen Hintertortribüne zusammen. Ganz schwacher Auftritt.
Im Verlauf der zweiten Halbzeit wurden dann im Gästeblock ein paar Fahnen verteilt und auch die Pyroliebhaber kamen nun auf ihre Kosten und der Block der Kroaten erleuchtete im hellen rot. Ein paar Fackeln landeten leider jedoch in den Unterrängen, in denen Familien und Kinder saßen.
Milan erzielte schon in der 53. das 2:0 und das Spiel plätscherte so vor sich hin. Eigentlich sollte nichts mehr anbrennen, doch wie aus dem Nichts fiel der Anschluss für die Gäste in der 84. und es keimte wieder ein bisschen Hoffnung auf. Und dann gabs auf einmal auch noch Elfemter für Rijeka in der 90. Minute. Dieser wurde verwandelt, ausrasten nochmal im Gästeblock und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt. Jedoch wurden im Anschluss 5 Minuten Nachspielzeit angezeigt, in denen Milan in der 94. den Siegtreffer erzielen konnte – unverdient. Den Kroaten war es egal, sie feierten trotzdem sich und ihre Mannschaft. Insgesamt wieder ein top Gästeauftritt und die Heimseite konnte nicht im Ansatz überzeugen.

Für uns ging es am Freitag wieder zurück von Bergamo nach Hamburg. Und es endete, wie es begonnen hatte. Ryanair ließ uns wieder warten und wir erreichten mit knapp dreistündiger Verspätung den Airport in HH-Fuhlsbüttel.